Startseite » Abgestillt: Das Ende einer Stillbeziehung

Abgestillt: Das Ende einer Stillbeziehung

Wir haben abgestillt! Heute ist es genau 26 Tage her, dass meine Kleine das letzte Mal gestillt wurde. Ich kann gar nicht sagen, was für ein Gefühlschaos diese zurückgewonnene Unabhängigkeit nach 14 Monaten Stillzeit in mir ausgelöst hat. Ich bin traurig über die verlorene Nähe. Zeitgleich aber auch erleichtert darüber, wie friedlich sich unsere Stillbeziehung am Ende gelöst hat. Und das, obwohl ich mir das Abstillen vollkommen anders vorgestellt habe!

Stillen war für uns kein Selbstläufer

Nach der Geburt meiner Kleinen musste ich schnell feststellen, dass das mit dem Stillen gar nicht so einfach war. Fast wäre aus dem kleinen Fräulein ein Flaschenbaby geworden. Ich war sehr froh darüber, dass wir trotz anfänglicher Schwierigkeiten und kurzzeitigem Zufüttern mit dem Fläschchen doch noch irgendwie die Kurve bekommen haben und wir die gemeinsame Stillzeit auch genießen konnten.

Wie lange werde ich stillen?

Darüber habe ich mir vorher keine großen Gedanken gemacht. Ich wusste nur soviel: Wann wir abstillen, da sollte meine Kleine das Tempo vorgeben. Sie sollte sich quasi selbst abstillen, wann immer für sie der richtige Zeitpunkt gekommen ist. So die Theorie. Eine schöne Vorstellung!

Nach der Beikost-Einführung schien es sich auch in die richtige Richtung zu entwickeln. Tagsüber wurden die Stillmahlzeiten immer mehr durch Brei und Co ersetzt, so dass sie bald nur noch nachts nach der Brust verlangte.

Leider kam dann doch alles anders als gedacht 

Mit der Zeit stellte sich heraus, dass das kleine Fräulein ein Allergiekind ist und weder Hühnerei, Kuhmilch noch Weizen verträgt. Auch wenn sie irgendwas davon nur indirekt über die Muttermilch bekam, reagierte ihr Körper mit Hautausschlägen. Um sie weiter stillen zu können, musste ich also meine Ernährung komplett umstellen und auf all die guten Dinge verzichten, die sie nicht verträgt. Ein riesen Einschnitt! Aber: Ich habe es durchgezogen trotz der zahlreichen gut(gemeint)en Ratschläge aus meinem Umfeld, ich solle lieber sofort abstillen. Lange habe ich mit mir gehadert, was das Richtige für uns war. Abstillen ja oder nein? Kurz nach ihrem ersten Geburtstag im Herbst habe ich mich dann schweren Herzens für das Abstillen entschieden, da immer mehr dafür sprach.

Im Grunde ging es ja auch nur noch um die Nächte

Gerade das nächtliche Abstillen war für uns DIE Herausforderung. Denn das kleine Fräulein lehnte künstliche Ersatznahrung aus der Flasche konsequent ab. Was also, wenn sie Hunger bekommt? Schließlich trank sie nachts noch regelmäßig an meiner Brust. Und wie stillt man überhaupt ab?

Erst versuchte ich mich am 10-Nächte-Programm von Gordon zu orientieren, bei dem es darum geht das Kind sanft von der Brust zu entwöhnen. Aber ich musste schnell merken, dass das nicht der richtige Weg für uns war und meine Kleine und ich es alleine nur schwer schaffen würden. Wahrscheinlich waren meine tröstenden Versuche ohne Stillen für sie so, als wenn man einem Alkoholiker mit der Schnapsflasche vor der Nase herumwedelt.

Die Mithilfe vom Papa musste also her! Da war ein verlängertes Wochenende Anfang November die Gelegenheit und wir hatten uns fest vorgenommen, dass unsere Kleine nach den freien Tagen kein Stillkind mehr sein sollte. Soweit der Plan. Die erste Nacht war dann aber so extrem, dass sie am Folgetag nur noch an Mama klebte. Dann bekam sie eine Erkältung und damit war das Vorhaben erst einmal gestorben. Es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt!

So hat es dann doch geklappt

Einen erneuten Versuch schoben wir die folgenden Wochen vor uns her. Krankheit, Zahnen, Stress im Job – irgendwie war immer etwas anderes. Doch gibt es überhaupt den richtigen Zeitpunkt?

Erst in den Weihnachtsferien konnten wir uns dazu durchringen, es noch einmal zu probieren. In den ersten zwei Nächten hat unsere Kleine lauthals protestiert und regelrecht getobt, dass Mama nicht mehr zur Verfügung stand. Doch Papa sei Dank hat sie sich mit seiner Hilfe wieder beruhigt und mit ihrem Wasserfläschchen wieder in den Schlaf gefunden. Bereits nach wenigen Nächten wurde es besser und schon bald protestierte sie nicht mehr!

Worüber ich sehr überrascht bin

Es stellte sich bald noch ein positiver Nebeneffekt ein: Das kleine Fräulein schlief plötzlich komplett durch. Wahnsinn! In ihrem ganzen ersten Lebensjahr gab es fast keine Nacht, in der sie durchgeschlafen hat und plötzlich schläft sie jede Nacht durch! Ob das Zufall ist oder ein Zusammenhang zum Abstillen besteht? Ich glaube nicht an Zufälle!

Was unserer Kleinen total wichtig ist, seit sie nicht mehr gestillt wird: Mit Mama kuscheln. Gerade nach dem Aufwachen braucht sie das total. Morgens hole ich sie dann zu mir und sie kuschelt sich mit unter die Decke! Diese ruhigen Momente der Nähe genieße auch ich total!

Ich hatte kaum Probleme mit dem Abstillen, kein Milchstau oder ähnliches. Kurzzeitig hat es ein bisschen gespannt, aber mehr auch nicht. Wahrscheinlich lag das daran, dass ich am Ende nur noch nachts gestillt habe und auch das kleine Fräulein für das Abstillen schon bereit war.

Das Ende unserer Stillbeziehung ist ein riesen Meilenstein und bedeutet für uns beide mehr Freiheit und eine enorme Unabhängigkeit. Ob meine Kleine sich noch an das Stillen erinnert? Wenn sie meine Brust sieht, deutet sie mit dem Finger darauf und strahlt dabei mit einem breiten Lächeln. Wenn das kein schönes Ende ist?

Eigentlich war meine Vorstellung, dass sich meine Kleine selbst abstillt. Doch es kam anders und ich habe das Tempo vorgegeben. Ich bin froh, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe, denn am Ende war es dann doch der richtige Zeitpunkt für uns. Das Stillen ist einfach eine ganz persönliche und individuelle Sache zwischen Mutter und Kind. Also lasst euch bloß von keinem reinquatschen!

Mit diesem Artikel nehme ich an der Blogparade (Ab-)gestillt teil. Wenn ihr mehr tolle Erfahrungsberichte zu diesem Thema lesen wollt, dann schaut doch einfach mal auf doppelkinder und/oder LÄCHELN UND WINKEN vorbei.

Dir gefällt der Artikel? Teile ihn auf Pinterest!

Werbung

2 comments

  1. Alex says:

    Hallo Nadine,

    vielen Dank, dass du deine (Ab) Stillgeschichte geteilt hast. Wir stehen auch gerade vor der Entscheidung, wie wir das am Besten angehen… Da ist es sehr hilfreich von deinen Erfahrungen zu lesen.

    Mal sehen, wann und wie es bei uns wird…

    Euch alles Gute!

    LG Alex

    • Nadine | Familiendingsbums.de says:

      Hallo Alex,
      vielen Dank für Deine liebe Nachricht! Ich drücke die Daumen, dass es gut klappt und ihr für euch den richtigen Weg findet!
      Alles Gute
      Nadine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.