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Kaiserschnitt nach EInleitung

Geburtsbericht: Kaiserschnitt nach Einleitung

Die Geburt eines Kindes ist ein unbeschreibliches Erlebnis und wird von einem Feuerwerk an Emotionen begleitet.

Heute möchte ich euch von der Geburt meiner ersten Tochter berichten, die mit einem stolzen Geburtsgewicht von 4.590 Gramm, einer Größe von 57 Zentimetern und einem Kopfumfang von 37 Zentimetern das Licht der Welt erblickte. Eine absolute Überraschung, denn vorab wurde sie gerade mal auf 3700 Gramm geschätzt.

Während der Schwangerschaft habe ich natürlich versucht, mich auf die Geburt vorzubereiten. Gemeinsam mit meinem Mann habe ich einen Geburtsvorbereitungskurs besucht und mir viele Gedanken gemacht: Wann wird es losgehen? Wie lange wird es dauern? Wie wird das mit den Schmerzen? Was will ich wie haben? Am Ende hatte ich dann einen vierseitigen Geburtsplan, den ich beim Vorgespräch in der Klinik der Hebamme vorlegte. Trotz der vielen Gedanken, die ich mir gemacht hatte: Am Ende kam es dann doch ganz anders als gedacht!

Bis zum errechneten Geburtstermin hatte ich kaum Wehen – mal ein Ziepen hier, mal ein Ziepen da. Aber von Geburtswehen konnte man nicht sprechen. Nachdem der errechnete Geburtstermin auf ein Wochenende fiel, musste ich mich zur Kontrolle direkt in der Klinik melden. Da es sich auch noch um einen Sonntag handelte, fand die Untersuchung direkt in den Räumlichkeiten des Kreißsaals statt. Ich weiß noch, wie ich angeschlossen am CTG in einem kleinen Behandlungsraum lag und über den Gang die Schreie einer Frau hallten, die schrie als würde es um ihr Leben gehen. Kurze Zeit später wurden ihre Schreie dann von einem Babyschrei abgelöst. Das sollte also der schönste Moment im Leben einer Frau sein? Mein Mann und ich sahen uns mit einem kreidebleichen Gesicht an. Es ist ein scheiß Gefühl wenn man weiß, dass man da auch bald durch muss und es kein Zurück mehr gibt. Schließlich muss das Kind ja irgendwie raus!

Da sich nichts tat und alles in Ordnung schien, durfte ich wieder nach Hause gehen. Die folgenden Tage verbrachte ich in Wartestellung. Ich war mittlerweile so kugelrund, dass ich mich kaum mehr bewegen mochte und einfach keinen Bock mehr hatte. Es sollt endlich losgehen!

Als ich am Donnerstag wieder zur Kontrolle bei meiner Frauenärztin war schickte sie mich weiter in die Klinik, da sie mit dem Fruchtwasser nicht mehr zufrieden war. Aber dort wurde ich nach einer sorgfältigen Untersuchung trotz der Auffälligkeit wieder nach Hause geschickt mit dem Hinweis, dass ich mich zwei Tage später wieder melden sollte.

Am Samstag sind wir dann schon mit der gepackten Tasche zur Kontrolluntersuchung in die Klinik gefahren und wie erwartet sollte ich dort bleiben. Die Ärzte rieten mir dringend zu einer Geburtseinleitung. Denn mittlerweile war nur noch wenig trübes Fruchtwasser vorhanden und die Werte unserer Kleinen auffällig.

Nun sollte es also endlich losgehen! Ich hatte riesen Bammel bei dem Gedanken, was jetzt auf mich zukommen würde und dass ich die Klinik erst wieder mit Baby verlassen würde.

Das tolle an dieser Klinik war, dass man bereits zur Einleitung ein Zimmer im Kreißsaal bezog und dieses auch erst wieder verlassen würde, um mit Baby im Arm auf die Wöchnerinnen-Station umzuziehen oder im Notfall für einen Kaiserschnitt einen Raum weiter in den OP zu wechseln.

Das Protokoll einer Geburt

15.30 Uhr

Einleitung der Geburt durch ein vaginales Gel.

Warten auf die ersten Wehen. Statt uns auszuruhen und Schlaf zu tanken sind mein Mann und ich so aufgedreht, dass wir am Ende sogar gemeinsam Kreuzworträtsel lösen. Absolute Energieverschwendung!

22.00 Uhr

Es hat sich nichts getan. Mein Mann fährt zum Schlafen nach Hause. Kaum ist er weg, gehen die ersten Wehen los.

1.30 Uhr

Ich denke, ich habe mich eingepinkelt. Dabei ist die Fruchtblase geplatzt.

2 Uhr

Schluss mit Tapfer sein. Ich rufe meinen Mann an und bestelle ihn zurück in die Klinik.

3 Uhr – Zeitumstellung auf die Winterzeit

2.30 Uhr

Gemeinsam mit meinem Mann veratme ich die Wehen.

4 Uhr

Ich entscheide mich für eine PDA.

Kurze Zeit später hänge ich über einer Nierenschale und kotze mir die Seele aus dem Leib, während mein Kreislauf absackt.

Ärzte, Hebammen und sonstiges Klinikpersonal springen mit Gerätschaften um mich herum und rufen sich Fachchinesisch zu. Wahnsinn, wie schnell so ein Raum voll mit Fachpersonal sein kann, wenn es drauf ankommt.

Die Situation beruhigt sich schnell wieder.

6.45 Uhr

Die Werte von Mutter und Kind sind schlecht, der Muttermund ist kaum geöffnet.

Die Geburt ist zum Stillstand gekommen, zudem liegt das Baby überstreckt im Mutterleib: Die Ärzte zeigen uns die Alternativen auf und raten zu einem Kaiserschnitt.

7.30 Uhr

Entscheidung zum Kaiserschnitt fällt und die Maschinerie läuft an.

Ehe ich mich versehen kann liege ich im Kreißsaal und starre auf das EKG-Gerät, dass sich wie in einem Tunnel immer weiter von mir entfernt und ich versuche krampfhaft, nicht ohnmächtig zu werden.

8.17 Uhr

Unsere Tochter erblickt das Licht der Welt.

Während ich wieder zugenäht werde, liegt dieses kleine Wesen auf meiner Brust und starrt mich an. Neben mir sitzt mein Mann und wir können unser Glück nicht fassen.

Am Ende hatte ich eine PDA und meine Tochter kam per Kaiserschnitt zur Welt. Beides wollte ich nie haben. Wir haben die Entscheidung sicher nicht leichtfertig getroffen. Aber unter Berücksichtigung der Fakten und der emotionalen Anspannung war es für uns in diesem Moment die einzig richtige Entscheidung.

Ich bin heute noch froh, dass ich mich FÜR einen Kaiserschnitt entschieden habe und will mir gar nicht vorstellen was hätte passieren können, wenn ich bei den Werten auf eine natürliche Geburt bestanden hätte. Auch wenn das für ein Kind eigentlich der bessere Weg ist.

Probleme hatte ich aufgrund des Kaiserschnitts nicht. Ich konnte noch am selben Abend aufstehen und hatte auch die Schmerzen gut im Griff. Allerdings ist mir als Andenken eine ziemlich hässliche Narbe geblieben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Geburt per Kaiserschnitt ein heikles Thema sein kann. Aus dem Geburtsvorbereitungskurs war ich die Letzte, die ihr Baby bekommen hat und die Erste, die offen von ihrem Kaiserschnitt berichtete. Erst später öffneten sich auch andere Mamas und am Ende hatte tatsächlich über die Hälfte von uns einen Kaiserschnitt. Häufig wird die natürliche Geburt als das einzig Wahre auf ein Podest erhoben. Aber ist ein Kaiserschnitt nicht auch eine „richtige“ Geburt?

Für mich war die Geburt meiner Tochter das Aufregendste und zugleich Schönste, das ich jemals erleben durfte – begleitet von einem hormonellen Feuerwerk. Es scheint wohl zu stimmen, dass man die damit verbundenen Schmerzen irgendwann vergisst. Sonst gäbe es wahrscheinlich nicht so viele Wiederholungstäterinnen. Oder was meint ihr?

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