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Provokationstest in der Fachklinik

Lebensmittelprovokation im Kleinkindalter

Wer hier ab und an vorbei schaut weiß, dass unser Allergiekind mit Neurodermitis schon immer auf bestimmte Lebensmittel verzichten musste. Letztes Jahr waren wir zweimal für eine Lebensmittelprovokation unter ärztlicher Aufsicht in einer Klinik. Wie das abgelaufen ist und was dabei rauskam möchte ich heute mit euch teilen.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Schon als Stillkind im Säuglingsalter kämpfte unsere Kleine mit schlechter Haut. Lange Monate voller Ungewissheit und schlimmer Verdachtsdiagnosen hat es gedauert, bis die Ärzte auf die richtige Spur kamen: Lebensmittelunverträglichkeiten! Schon kurz nachdem wir ihre Ernährung umgestellt haben ging es unserem Mädchen besser und auch ihr Hautbild verbesserte sich nach wenigen Wochen.

Kuhmilch, Weizen, Dinkel und Hühnereier haben wir dafür von ihrem Speiseplan gestrichen. Falls sich jetzt jemand fragt, wovon wir sie ernährt haben: Es geht tatsächlich ganz gut, wenn man sich darauf eingestellt hat. Ich habe vorher sehr wenig auf Inhaltsstoffe geachtet, daher war es zunächst eine krasse Umstellung!

Ist es eine echte Allergie und was passiert, wenn sie davon etwas zu essen bekommt?

Erbrechen, Ausschlag, Atemnot oder passiert einfach nichts? Wir hatten keinen blassen Schimmer welche körperliche Reaktion ein „falsches“ Essen bei unserer Kleinen auslösen könnte. Nach Rücksprache mit dem Kinderarzt haben wir uns zu einer Lebensmittelprovokation unter ärztlicher Aufsicht entschlossen. Wir wollten wissen, wie ihr Körper reagieren könnte.

Bislang hatten wir überhaupt keine Medikamente für eine Notfallsituation. Ein bloßer Verdacht auf eine Allergie war für den Kinderarzt nicht ausreichend, um ein Notfallset zu verschreiben. Eigentlich verrückt wenn man bedenkt, dass ein Kind mit 18 Monaten sich gerne beim Essen ausprobiert.

Der erste Testballon

Gemeinsam mit dem Kinderarzt haben wir als erstes wieder Milch eingeführt und das lief erstmal richtig gut. Wir waren total euphorisch und haben sie ab diesem Zeitpunkt eine breite Auswahl an Milchprodukten probieren lassen. Kakao, Joghurt, Käse und was es sonst noch gutes gibt. Die Rechnung bekamen wir dann nach fast drei Wochen. Ihre Haut wurde wieder schlechter. Das KANN an der Milch gelegen haben, ist aber kein MUSS. Vielleicht war es auch nur das Wetter.

Jedenfalls haben wir die Milchprodukte wieder von der Speisekarte gestrichen in der Hoffnung, dass sich ihre Haut schnell wieder beruhigt. Neurodermitis ist einfach unberechenbar!

Lebensmittelprovokation unter ärztlicher Aufsicht in der Fachklinik

Letztes Jahr war es dann irgendwann soweit und wir waren zweimal stationär in der Klinik. Einmal sollte Weizen getestet werden, einmal Hühnerei. Ich war als Begleitperson die ganze Zeit dabei und möchte meine Erinnerungen zum Ablauf mit euch teilen. Vielleicht seid ihr in einer ähnlichen Situation? Ich habe damals auch nach Erfahrungsberichten im Internet gesucht und war überrascht, dass sowas in Deutschland nicht viele Kliniken anbieten.

Am ersten Tag gab es ein ausführliches Aufklärungsgespräch bei dem uns alles erklärt und auch auf unsere Fragen genau eingegangen wurde. Unsere Kleine wurde untersucht und ihr wurde ein Zugang gelegt, um in einem Notfall jederzeit schnell handeln zu können. Es wurde ein Prick-to-Prick Test durchgeführt. Das Allergen wird dabei auf die Haut aufgetragen um eine Kontaktallergie auszuschließen.

Am zweiten Tag wurde die eigentliche Provokation durchgeführt. Blöd war, dass der Test auf nüchternen Magen erfolgt und es erst um kurz nach 8 Uhr morgens losging. Eine Geduldsprobe für ein hungriges Kleinkind (und die Mama)! Die Provokation wird in einem speziellen Raum durch eine extra dafür ausgebildete Schwester bei mehreren Kindern gleichzeitig durchgeführt. Ein Arzt ist im Notfall immer greifbar. Für die Kinder werden extra Speisen mit dem zu testenden Allergen darin zubereitet. Unsere Kleine hat bei der ersten Provokation Apfelmus und bei der zweiten Provokation Vanillejoghurt bekommen. Die Kinder bekommen bis zu sieben Portionen im Abstand von 30 Minuten, wobei die Portionen immer größer werden. Die kleinen Patienten werden dabei ständig überwacht, so dass der Test bei einer Reaktion jederzeit abgebrochen werden kann. Den restlichen Tag werden sie auf Station überwacht, da bei einer Allergie auch zeitverzögert eine Reaktion auftreten könnte.

Am dritten Tag geht es weiter, wenn der Vortag gut verlief. Die Kinder bekommen dann nochmal die Menge des Allergens in einer Portion zu essen, die sie am Vortag auf mehrere Stufen aufgeteilt gegessen haben. Wenn das auch unauffällig verläuft, dürfen sie am Nachmittag sogar mal nach draußen und die Station verlassen. Das war für uns nach den aufregenden Tagen in der fremden Umgebung auch bitter nötig. Denn die wenigen Kinder auf der Station waren schon etwas älter als meine Kleine und trotz Spielzimmer wurde es irgendwann sehr anstrengend.

Am vierten Tag erfolgte ein Abschlussgespräch und wir wurden entlassen. Ab dem Moment durfte unsere Kleine also Weizen und Dinkel essen. Ein verrücktes Gefühl.

Als wir für die Provokation auf Hühnerei in der Klinik waren, ist es für uns leider nicht so gut gelaufen. Obwohl sie bei der Provokation am zweiten Tag alle sieben Stufen geschafft hat. In den nächsten Stunden reagierte ihr Körper dann aber so heftig, dass die Ärzte medikamentös eingreifen mussten. Ich war sehr froh, dass wir in der Klinik waren und ihr dank des Zugangs schnell geholfen werden konnte. Wenn ich mir vorstelle, dass wir diese Situation zuhause erlebt hätten. Horror!

Die Provokation wurde abgebrochen und wir wurden am dritten Tag mit einem Notfallset inklusive Adrenalinspritze im Gepäck entlassen. Fühle ich mich sicher mit dem Teil? Nein. Aber ich bin froh, dass wir es für den Fall der Fälle haben und wir so eine Notfallsituation nicht unvorbereitet erleben müssen.

Was übrig bleibt…

Mit vielen Fragezeichen haben wir uns auf die Lebensmittelprovokation eingelassen und wurden belohnt. Denn außer bei Hühnerei hatte unsere Kleine keine allergische Reaktion gezeigt! Super!

Natürlich kann keiner sagen, wie es weitergeht. Aber sie ist jetzt erst zwei Jahre alt und die Chance groß, dass sich auch die Hühnereiallergie in den nächsten Jahren verwächst. Es wäre schön, wenn sie irgendwann bei der Ernährung auf nichts mehr verzichten muss.

Falls ihr euch gerade überlegt, ob ihr eurem Kind eine stationäre Provokation zumuten sollt hoffe ich, dass euch unser Erfahrungsbericht ein bisschen weiterhilft. Jedes Kind ist anders, jede Allergie und die damit verbundene Reaktion ist anders. Für uns war es eine gute Entscheidung, die uns mehr Sicherheit gegeben hat.

Unser Speiseplan hat sich mittlerweile so unglaublich positiv verändert. Hallo, neue Welt! Natürlich wollte ich ihr gleich die besten Köstlichkeiten wie eine Laugenbrezel oder Butterkekse zeigen. Aber es war eine Enttäuschung: Es schmeckte ihr nicht, sie hat es anfangs tatsächlich ausgespuckt! Sachen gibt’s!

Dein Kind hat auch Neurodermitis und/oder ist von Lebensmittelallergien betroffen? Nutze diesen Blog als Plattform! Wenn Du eure Geschichte hier erzählen und Deine Erfahrungen mit anderen teilen möchtest, dann schreibe mir eine E-Mail an nadine@familiendingsbums.de.

 

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Allergiekind mit Neurodermitis

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