Startseite » (M)eine Stillgeschichte

(M)eine Stillgeschichte

Aktuell findet die internationale Weltstillwoche unter dem Slogan „Stillen fördern – gemeinsam!“ statt. Sofort musste ich an meinen Stillstart mit dem kleinen Fräulein denken, wie schwer es sich am Anfang anfühlte und welche Entwicklung alles genommen hat.

Früher dachte ich, Stillen sei das natürlichste und dadurch auch einfachste auf der Welt. Nie im Leben hätte ich mit Problemen gerechnet. Trotzdem beschäftigte ich mich vor der Geburt meiner ersten Tochter auch mit diesem Thema ausführlich, ich wollte vorbereitet sein. Auf alles.

Nachdem das kleine Fräulein dann auf der Welt war musste ich schnell feststellen, dass das Stillen für uns kein Selbstläufer war. Der Milcheinschuss kam, wie erwartet. Trotzdem nahm mein Baby in den ersten Tagen nicht zu und verlor sogar mehr als 10% ihres Geburtsgewichtes. Eine Orientierungsgröße, ob alles passt oder Handlungsbedarf besteht. Wir hatten große Probleme beim Anlegen an die Brust. Von den Schwestern im Krankenhaus fühlte ich mich unter Druck gesetzt: mit meiner Brust würde ich nie stillen können, wurde mir gesagt. Sie forderten Stillproben ein, wobei der Säugling vor und nach der Stillmahlzeit gewogen wird um die Zunahme zu kontrollieren. Ich sollte ein Stillhütchen verwenden, ihr die Flasche geben. Dinge, die man doch eigentlich auf gar keinen Fall machen sollte, wenn man stillen möchte. Zumindest hatte ich das so während der Schwangerschaft gelernt.

Ich war froh, als wir endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurden und hoffte auf schnelle Besserung in den eigenen vier Wänden mit der Ruhe und Unterstützung meiner Nachsorgehebamme. Doch das kleine Fräulein nahm einfach nicht zu und schien immer schwächer zu werden. Meine Hebamme legte uns dringend das Zufüttern mit der Flasche nahe. Parallel sollte ich mit einer elektrischen Pumpe die Milchbildung weiter fördern. Die Entscheidung für das Zufüttern war nicht einfach, aber ich wollte natürlich nur das Beste für mein Baby und tatsächlich wirkte sie schnell zufriedener. Von mir fiel eine große Last ab. Es war die richtige Entscheidung.

Nach kürzester Zeit hat sich dann der Schalter umgelegt und das kleine Fräulein nahm zu. Ihr Geburtsgewicht hatte sie am 16. Lebenstag wieder erreicht. Wir kamen zurecht, es klappte immer besser und bald war das Anlegen das natürlichste auf der Welt. Wir erlernten Routine und sie wurde allein vom Stillen satt. Das Zufüttern war nicht mehr nötig.

Leider entwickelte das kleine Fräulein in ihren ersten Lebensmonaten neben Hautproblemen auch Lebensmittelunverträglichkeiten gegenüber Hühnerei und Kuhmilch, worüber ich einmal an anderer Stelle ausführlicher berichte. Stillen sei gut für sie, wurde mir gesagt. Also verzichte ich seither auch bei meiner Ernährung auf bestimmte Lebensmittel. Für mein Baby. Damit ich sie weiter stillen kann.

Heute, nach fast einem Jahr trinkt sie nur noch wenig an meiner Brust und uns steht nun bald das Abstillen ins Haus. Ich freue mich auf die wiedergewonnenen Freiheiten, die mich erwarten. Den leckeren Rotwein, den guten Käse und die süße Sahnetorte. Aber der Gedanke an das Abstillen macht mich auch traurig. Denn mein Kind ist mir beim Stillen so nah, so wird es nie wieder sein.

Warum erzähle ich euch unsere Stillgeschichte? Weil ich in meinem Umfeld entweder von sehr positiven Stillerfahrungen oder Extremen (Brustentzündung, Milchstau) gehört habe und es noch so vieles dazwischen gibt.

 

 

3 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.